Chile 2011

In Valparaíso blieb ich letztlich bis zum 4. Tag des neuen Jahres, bis es mir zu viel wurde. Die Lautstärke, die Enge, die vielen Leute... in dem Hostel in dem ich untergekommen war, hatte ich den Flyer von einem Hostel in Isla Negra gefunden, einem kleinen Ort an der Küste, ca. 2 Stunden südlich von Valparaíso. Einziges Attribut, von dem ich wusste – außer dem Hostel, das sich richtig gut anhörte – war ein weiteres Haus von Pablo Neruda das es zu besichtigen gibt. Hier hatte er gelebt, bis ihn der Krebs dahinraffte, kurz vor Pinochets Militärputsch. Ein hübsches Haus hatte der leicht schrullige Schriftsteller sich dort hingestellt und solange er lebte, erweiterte er es ständig. Weil er sich dem Meer und der Seefahrt sehr verbunden fühlte – obwohl er selbst nie zur See gefahren ist – hat er das innere des Hauses so gestaltet, dass man den Eindruck bekommt, sich in einem Schiff zu bewegen. Treppenaufgänge und Türrahmen sind so eng, dass Lars und Branko da wohl längs durchgehen müssten und die Decke ist holzgetäfelt und gewölbt. Passend zu seiner Leidenschaft zur Seefahrt bevölkert dieses Haus auch eine umfassende Sammlung an Gallionsfiguren und allerlei Buddelschiffen, nebst Masken der indigenen Völker der Länder in denen er im Laufe seines aktiven Lebens arbeitete.

Das Hostel wartete mit einer entspannten Hippie-Atmosphäre auf – Schuhe mussten an der Eingangstür ausgezogen werden – und mit einer liebenswürdigen Besitzerin, die gerne ihre Gäste auch in der näheren Umgebung des Ortes herumfährt und ihnen mithilfe von Reiki-Behandlungen versucht das Leben leichter zu machen

In dieser ruhigen Umgebung entspannte ich mich zwei Tage lang und nahm am späten Nachmittag des zweiten Tages den Bus nach Valparaíso, um von dort aus nach Temuco zu fahren. Wo ja die arme Katie arbeiten musste. Die Fahrt war recht Ereignislos und eigentlich schlief ich die ganze Fahrt über, kein Wunder, war ja auch ein Nachtbus. Vom Busterminal aus nahm ich mir ein Colectivo und fuhr zu Katies Apartmenthaus im Zentrum der Stadt. Weil es Freitag war, musste Katie ihre Klassen für den Nachmittag vorbereiten und ich nutzte die Zeit, um ein bisschen zu lesen und in mein Tagebuch zu schreiben. Als Katie dann zum Unterricht aufbrach, verließ auch ich die nette kleine Wohnung und machte mich daran, die Stadt zu erforschen. Viel gab es da nicht zu entdecken, aber immerhin gibt es ein paar nette Plazas und Cafés mit richtigem Kaffee. In eines von diesen begab ich mich dann auch spontan und siehe da: da saß ein junger Mann und las! Dazu muss ich vielleicht erklären, dass lesende Menschen in Chile absolute Ausnahmeexemplare sind und Bücher hier nicht nur für chilenische Verhältnisse schweineteuer sind. Unter 20 Euro ist hier kaum ein Buch zu bekommen! Davon inspiriert holte ich auch gleich mal mein Buch heraus und las ein bisschen: Isabel Allende, passenderweise.

Abends gingen wir essen und genossen eine riesige Chorrillana (eine Plattte mit Pommes, einem Haufen gebratenen Rind, Zwiebeln und oben drauf einem Spiegelei) und mexikanisches Bier – chilenisches ist ja leider nicht trinkbar. Als wir gerade fertig waren mit dem Essen stießen ein Kollege von Katie und ein paar seiner Freunde zu uns und wir verbrachten einen lustigen Abend mit Wein, einer interessanten Sprachmischung und viel Gelächter.

Der nächste Morgen begann entsprechend erst ein bisschen später und weil es schon vormittags ziemlich heiß war, beschlossen wir, an den Strand zu fahren. Allerdings nicht ans Meer sondern an einen Bergsee. Eine längere Busfahrt – die zum ausgiebigen schlafen genutzt wurde – brachte uns an unseren Zielort: Lican Ray. Nicht weit weg von Pucon und Villarrica und an einem schönen See mit schwarzem Strand gelegen ist es ein beliebtes Ferienziel für Studenten und entsprechend war die Stimmung eher auf Party ausgelegt. Wir brieten einfach ein bisschen in der Sonne, erfrischten uns ab und zu im See und beobachteten ansonsten leicht amüsiert das bunte Treiben. Als wir nach hause kamen war es schon recht spät und wir beschränkten uns auf ein einfaches aber leckeres Abendessen mit Pasta und Vino und einen anschließenden Film. Sonntagmorgen brachen wir auf nach Lataro, einem kleinen Ort in der Nähe von Temuco, der nicht viel zu bieten hat, außer einem Park und einer Fischfarm auf der man Lachse füttern kann. Nachdem wir dort verzweifelt – und vergebens - nach einem Café gesucht hatten trafen wir uns mit Erick, dem Arbeitskollegen von Katie, den wir schon am Freitagabend getroffen hatten. Einen Chilenen zu treffen, der gut Englisch spricht ist schon recht selten, aber wenn der dann auch noch einen australischen Akzent hat, wird’s erstmal richtig witzig Wir schlenderten also gemeinsam durch den Park und fütterten Fische, bis es Zeit wurde, wieder nach Temuco zurück zu kehren und für mich dann auch den Bus nach Santiago zu nehmen.

Wieder mal ein Nachtbus.

Unterkunft in Santiago dieses mal bei Nico, Katies Freund, der so freundlich war, mich eine Nacht bei sich aufzunehmen. Den Tag verbummelte ich alleine im Upperclass-Stadtteil Las Condes, Nico musste arbeiten und ich hatte keine große Lust, viel zu unternehmen... dazu war es auch viel zu heiß. Wie in Temuco auch schon, hat der Sommer in Santiago richtig Einzug gehalten. Also verbrachte ich den großteil des Tages im Schatten in einem Park und bummelte ein bisschen durch die Gegend. Abends trafen Nico und ich uns dann noch mit Janna und Francisco auf ein Bierchen und eine Pizza.

Am nächsten Morgen – Dienstag – stand ich mit Nico auf, um dann zum altbekannten Busterminal San Borja zu fahren, auf dem ich schon so viele Stunden damit zugebracht habe, Bustickets zu organisieren und auf Busse zu warten, dass ich sie schon gar nicht mehr zählen kann. Von dort sollte mein Bus nach Coquimbo – quasi mein zweites Zuhause – gehen. Um 10Uhr.... gegen 10:30 fuhr der Bus dann endlich mal ein... und brauchte letztlich grandiose 7 Stunden. *grrrrr*

Als ich dann endlich in Coquimbo ankam, stellte sich auch noch heraus, dass Felipe, den ich vorher angerufen und gefragt hatte, ob er Platz für mich hätte, leider nicht ganz verstanden hatte worauf ich hinaus wollte und mich nicht unterbringen konnte. Bis ich den lieben Seba erreichen konnte dauerte es eine Weile und so wartete ich – einigermaßen gestresst – in einem Internetcafé auf den erlösenden Rückruf. „Klar kannst du bei mir bleiben, kein Problem“ Also trafen wir uns, als er mit Arbeiten und Sporteln fertig war und ich verbrachte zwei entspannte Tage im Valle de Elqui, wieder ein mal. Ein bisschen bummeln, sich mit Freunden treffen und ein bisschen Surfen füllten diese beiden Tage, bevor ich am Donnerstagabend den Nachtbus Richtung Norden nahm, nach Calama. Dort kam ich am folgenden Morgen gegen 10 Uhr an und versuchte einen Bus nach San Pedro zu ergattern. Das stellte sich leider als ein wenig schwieriger heraus, als gedacht und so bekam ich erst einen Platz im Bus um 15 Uhr. Also schlenderte ich ein wenig durch die Stadt, über die der Lonely Planet schreibt, sie sei ein Drecksloch und fand diese Beschreibung reichlich übertrieben.

Calama liegt relativ mitten in der Atacama-Wüste und ist entsprechend heiß und recht staubig, wartet aber immerhin mit einer netten Kriche und einer schönen, schattigen Plaza auf. Das ist nicht super viel, aber immerhin schon mehr als so manch anderes Örtchen, durch das ich auf meinen Reisen bisher gekommen bin. Ich war trotzdem froh, als ich endlich in den Bus nach San Pedro steigen konnte

Am späten Nachmittag kam ich also dort an und wurde von meiner lieben Freundin Lizzi und dem Besitzer unserer Unterkunft empfangen. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass für mich in dem Hostel, in dem Lizzi und ihr Freund Andrew untergekommen waren gar kein Platz mehr war und ich woanders bleiben musste. Schlimm war das aber auch nicht wirklich. Ein sauberes nettes Hostel, geführt von einer jungen Familie und deutlich ruhiger, als das andere Hostel, lag es eh nur 3 Gehminuten entfernt. Ich wurde also zum Hostel gebracht und legte dort nur schnell meine Sachen ab und machte mich ein bisschen frisch – endlich Zähne putzen!!! - bevor wir zu dem anderen Hostel gingen und Andrew abholten, der schon mit den zuvor gemieteten Fahrrädern auf uns wartete. Frei nach dem Motto „schlafen kann ich wenn ich tot bin“ ging es also direkt los, über Stock und Stein, staubige Wüstenwege, kleine Flüsse, vorbei an uralten Ruinen, Schafherden und von der sinkenden Sonne angestrahlten Hügeln und wieder zurück. Eine schöne kleine Radtour und endlich etwas Bewegung für meine von der langen Busfahrt steifen Beine.

Auf dem Rückweg zum Hostel bummelten wir noch etwas durch die Stadt, Lizzi und Andrew zeigten mir ein wenig das Terrain und wir bestätigten die Tour, die wir für den nächsten Tag gebucht hatten: ein Ausflug zu den Geysieren.

Am Abend wurde ein gekocht, es gab ein bisschen Wein und anschließend ging es recht früh ins Bett, denn die Geysier-Tour sollte am nächsten Morgen um 4:00 Uhr starten. Tat sie auch.

Nach einer kurzen Nacht ging es also per Minibus über äußerst holprige Wege – wenn man sie denn so bezeichnen kann – zu den Geysieren, um sie bei Sonnenaufgang bewundern zu können. Um diese Zeit herrschen dort oben in der Wüste Temperaturen um -5° C, sodass der Wasserdampf, der von den brodelnden Quellen aufsteigt äußerst beeindruckend zr Geltung kommt, und man sich äußerst warm einpacken sollte! Dank meinem schönen Poncho, den ich mir im September gekauft hatte, hatte ich das auch getan, im Gegensatz zu Andrew, der in Shorts und Flipflops da oben herumlief... Aber als frisch aus Irland eingeflogener Rugbyspieler ist er vielleicht auch einfach ein bisschen härter als andere Das lässt zumindest seine Reaktion auf die Frage, ob ihm nicht kalt sei, schließen: Nö, wieso?? Man konnte sich aber in dem warmen Wasserdampf auch ganz gut aufwärmen und weil unter uns ja heißes Wasser floss, stieg auch vom Boden Wärme auf. Und sowie die Sonne über die Berggipfel lugte, wurde es schlagartig wärmer. Innerhalb von 10 Minuten stieg die Temperatur um 10° C!!! Nach einem kleinen Frühstück mit Sanwiches und Kaffee stand ein Bad in einer heißen Thermal-Quelle auf dem Plan, das wir sehr genossen. Anschließend ging es mit einem kurzen Umweg über ein kleines, wieder aufgebautes Wüstendorf, in dem wir Lamafleisch essen konnten, wieder zurück nach San Pedro. Lama ist äußerst fettarmes Fleisch, das eigentlich wie Rind schmeckt.

Als wir wieder zurück waren, ruhten wir uns ein wenig aus und machten Gebrauch vom Internet, um uns zu hause zu melden und unsere weiteren Reisepläne zurecht zu legen, bevor wir zum Essen in die Stadt gingen. Andrew und Lizzi wollten an diesem Abend den Bus nach Santiago nehmen und so entschieden wir uns für ein frühes Abendessen und einen letzten gemeinsamen Pisco Sour.

Von hier an sollte nun also meine Reise alleine weiter gehen. Aufregend!!!

In meinem Hostel hatte ich an diesem Nachmittag ein deutsches Mädel kennen gelernt, mit dem ich mich ganz gut verstand, Julia, aus der Nähe von Karlsruhe. Außerdem waren in diesem Hostel Gäste Nigel und Paul aus England, die mitlerweile meine Reisebegleitung bilden. Aber dazu später mehr. Ich ging recht früh ins Bett an diesem Tag und ging am nächsten Morgen, nach einem entspannten Frühstück, mit Julia ins Zentrum, um Gebrauch von der W-LAN-Zone auf der zentralen Plaza zu machen – merkwürdiges Land, in dem es keinen richtigen Kaffee gibt, aber W-LAN-Zonen auf öffentlichen Plätzen in kleinen Städten mitten in der Wüste! Außerdem buchte ich für den Nachmittag eine Sandboarding-Tour mit anschließendem Sonnenuntergang schauen im Valle de la Luna.

Sandboarding funktioniert ähnlich wie Snowboard, mit dem kleinen Unterschied, dass man statt einem schneebedeckten Hang eine Sanddüne heruntersaust – angeblich wesentlich langsamer als auf Schnee, aber glauben tu ich das nicht wirklich! Auf guten 2000m Höhe und in brütender Hitze eine Düne hochzukraxeln mit einem Snowboard auf dem Rücken ist verdammt anstrengend, aber die Quälerei lohnt sich für jeden Meter, den wieder hinunterfährt :D Adrenalinschübe, spektakuläre Stürze und Sand in jedem erdenklichen Winkel des Körpers gehören ebenso dazu, wie das breite Grinsen, wenn man es endlich schafft, stehend und in einem Schwung unten anzukommen Fazit: GROSSER Spaß!!! zum Sonnenuntergang kamen wir dann zwar letztlich ein wenig zu spät, aber beeindruckend ist das Valle de la Luna – Tal des Mondes – trotzdem mit seinen abgefahrenen Felsformationen, riesenhaften Sanddünen und der unfassbaren Leere. Und das alles im Licht, des schwindenden Tages...

Als ich zurück ins Hostel kam, saßen Julia und die beiden englischen Jungs schon mit einer Brasilianerin mit dem schönen Namen Sonia und dem italienischen Giuliano bei einer Flasche Pisco zusammen. Und so machte ich mir schnell die Reste meines Mittagessens warm und gesellte mich zu der lustigen Runde, die sich erst spät in der Nacht auflöste. Im laufe des Abends stellte sich dann heraus, dass Paul und Nigel auch am nächsten Tag nach Salta in Argentinien aufbrechen wollten, das mein nächstes Ziel war. Und, wer hätte es gedacht, wir sollten sogar im gleichen Bus sitzen.

 

Weil ich ein Problem mit den Fotos hier habe, gibts jetzt immer den Link zum entsprechenden Fotoalbum auf Facebook. Ich hoffe, ihr könnt sie euch dort angucken!!

http://www.facebook.com/album.php?aid=46373&id=100001201504528&l=37fefca7eb

10.2.11 00:19

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen